Erzbischof Gądecki: Der Tod Kardinal Joachim Meisners hat die Kirche in Polen mit Schmerz erfüllt

07-07-2017
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Warschau, den 5. Juli 2017

Eure Eminenz,
hochwürdigster Herr Kardinal,

mit Betrübnis habe ich die Nachricht entgegengenommen, dass Kardinal Joachim Meisner, hervorragender Sohn der katholischen Kirche in Deutschland, heute in Bad Füssing verschieden und in das Haus des Herrn eingegangen ist. Kardinal Meisner war in den Jahren 1975-1980 Weihbischof des bischöflichen Amtes Erfurt-Meiningen, 1980-1988 Bischof von Berlin, 1988-2014 Erzbischof und Metropolit von Köln, seit 1983 Kardinal und in den Jahren 1982-1989 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

Von uns gegangen ist ein großer Sohn der Kirche in Deutschland und der Universalkirche. Der Verstorbene war Autor von über 70 Veröffentlichungen auf dem Gebet der Christologie und Ekklesiologie. Er stach als Mitglied der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, der Kongregation für den Klerus, der Kongregation für die Bischöfe, der Kongregation für das katholische Bildungswesen, des Päpstlichen Rates Justitia et Pax, des Päpstlichen Rat für die Kultur und der Präfektur für die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Apostolischen Stuhls hervor.

Herrn Kardinal Meisners Tod ist nicht nur ein Verlust für die katholische Kirche, sondern auch für die Gesamtheit des deutschen Volkes. Der verstorbene Kardinal war ein unermüdlicher Fürsprecher der Wiedervereinigung Deutschlands und der menschlichen Würde, deren Dienst er sich insbesondere während der Ausübung des Amtes als Bischof von Berlin und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz verhaftet sah. Sein tapferer Mut ließ kein Schweigen zu, wenn es entschieden das Wort zu ergreifen galt, er erlaubte es auch dann nicht, als das ostentative Schweigen die einzige Abwehrmöglichkeit gegen die für Deutschland zerstörerische kommunistische Ideologie der DDR bot. Als er selbst offen und kühn beteuerte, die kommunistische DDR werde „niemals unseren Segen erhalten – non possumus„.

Sein klares und sachliches Urteil zur kommunistischen Ideologie, die den Menschen seiner Würde beraubte, gewann der verstorbene Kardinal dank persönlicher Kenntnis und Erfahrung sowie dank seiner Freundschaft mit Bischof Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II, von dem er im Jahre 1983 den Kardinalshut empfing und dem er vielfach begegnete und mit dem er sich oft unterhielt.

Der Tod Kardinal Joachim Meisners hat die Kirche in Polen mit Schmerz erfüllt. In der Liebe zu Christus und der Kirche war Kardinal Meisner Zeuge der Hoffnung, auf die er sich in seinem bischöflichen Wahlspruch und in seiner Pastoral berief. Er glaubte, dass Zwist und historische Spaltungen zwischen den Menschen durch die Macht der Vergebung überwunden werden können, die dem Evangelium Christi entspringt. Diese Haltung hat in den Maßnahmen zugunsten der polnisch-deutschen Versöhnung einen konkreten Ausdruck gefunden.

Trost und Linderung der schmerzlichen Trauer infolge des Dahinscheidens dieses großen Mannes, dem das moderne Deutschland und Polen dermaßen viel verdanken, wollen wir in den Worten Jesu Christi suchen. dessen Händen wir den Verstorbenen anvertrauen:

Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt,
der wird leben, auch wenn er stirbt,
und jeder, der lebt und an mich glaubt,
wird auf ewig nicht sterben.

Joh 11, 25-26

In Trauer

Stanislaw Gądecki
Erzbischof und Metropolit von Poznań
Vorsitzender des Polnischen Episkopats
Vizepräsident des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE)

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Reinhard Kardinal Marx
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Rainer Maria Kardinal Woelki
Erzbischof von Köln

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