Stellungnahme der polnischen Bischöfe vor der 14. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode (4.-25.10.2015)

02-10-2015
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Die Polnische Bischofskonferenz dankt dem Heiligen Vater Franziskus für das Geschenk der Bischofssynode, deren Thema dieses Jahr „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ sein wird. Wir danken auch Millionen von Polen, darunter den Gemeinschaften und Familien-Bewegungen, die für Papst Franziskus, die Kardinäle, die Bischöfe und die Teilnehmer der Synode beten. Wir ermuntern alle zum weiteren Gebet für die Synode, bei der – auf Wunsch des Heiligen Vaters – die Bischöfe aus Polen die Freude und die Sorgen hinsichtlich der Familien teilen werden.

1. Die Lehre der Päpste und der Bischöfe – gestützt auf die Heilige Schrift und auf die Tradition der Katholischen Kirche – weist darauf hin, dass die Ehe und Familie zu den kostbarsten Gütern der Menschheit zählt, dieses Gut sollte mit einem besonderem Schutz umgeben sein. Jesus Christus stellt die Ehe als einen Bund zwischen Mann und Frau dar, die in der Liebe ein Leben lang vereint und dabei offen für das Geschenk des neuen Lebens sind. Die Ehe ist eine göttliche und menschliche Realität, welche Jesus Christus zur Würde eines Sakraments erhoben hat. Die Eheleute dürfen „in ihrem Ehe- und Familienleben die Liebe Gottes selbst nachvollziehen, die Liebe Gottes zu den Menschen und die Liebe Christi zu seiner Braut, der Kirche“ (Hl. Johannes Paul II., Familiaris consortio, 56)

Viele polnische Familien haben im Fragebogen vor der kommenden Synode betont, dass ihre Freude und ihr Friede Früchte des Glaubens in Gott sind, des sakramentalen Lebens und des individuellen und familiären Gebets, aber auch der Zeit, die sie einander widmen. Wir unterstreichen also, dass die Familie – als Hauskirche – eine heilige und heiligmachende Realität ist (vgl. Apg 10,24-48; Hl. Johannes Paul II., Homilie zur Eröffnung der V. Bischofssynode, 26.09.1980).

2. Wir danken Gott dafür, dass es in unserer Heimat viele gesunde Familien gibt, die sich „im Guten und Schlechten“ jedes Tages um die Treue ihrer Berufung kümmern. Wie wir im Hirtenbrief geschrieben haben, sind das „die Menschen, die an die Liebe glauben und diese Liebe täglich leben wollen, die sie nicht nur als Emotion und Gefühlsquelle verstehen, sondern als eine glückliche Gelegenheit, um die Verantwortung für die geliebte Person zu übernehmen, um sich über die unauflösbare und alleinige Beziehung mit ihr für immer zu freuen. Die Menschen, die mit dem Gefühl der Heiligkeit und Begeisterung im Herzen das Mysterium des menschlichen Körpers und das Geschenk der ehelichen Vereinigung sehen, die ein neues Kind in der Familie mit Lobgebet begrüßen und die jedes Leben – von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod – als Heiligkeit sehen. Die Menschen, für die immer und überall die Würde der menschlichen Person ein bedingungsloser Wert ist.“ (Brief der Polnischen Bischofskonferenz zum Fest der Heiligen Familie, 30.12.2005). Wir danken den Priestern, die ihnen mit väterlicher Weisheit und Hingabe dienen.

3.   „Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ – sagt Christus (Mk 10, 9). Deswegen ist die sakramentale Ehe ihrem Wesen nach unauflösbar. Das Gesetz Gottes markiert unüberschreitbare Grenzen für menschliche Entscheidungen. Der Mensch hat keine „Vollmacht über das natürliche oder positive göttliche Recht“ (Hl. Johannes Paul II., Ansprache an die Römische Rota, 21.01.2000). In der Situation, in der die Eheleute durch Schwierigkeiten gehen, ist es die Aufgabe der katholischen Kirche, bei der Vertiefung der Liebe und der gegenseitigen Verantwortung und Bekehrung zu helfen. Solches seelsorgerliche Engagement ist heute nötiger denn je.

In der katholischen Kirche gibt es weder Scheidungen noch Prozesse, die zur Scheidung führen. Es gibt nur Prozesse, bei denen man individuell erkennt, ob diese bestimmte Ehe gültig oder nicht gültig geschlossen wurde. Alle sollten eine Scheidungsmentalität meiden. Jedes Auseinandergehen der Eheleute beleidigt Gott und bringt viel Schaden mit sich, es lässt nicht nur an ihnen Wunden zurück, sondern wirft auch einen schmerzhaften Schatten auf ihre Kinder, die nächste Familie, Freunde, Bekannte und zerstört die Grundlagen der ganzen Gesellschaft.

In dieser Lage muss man mit umso größerem seelsorgerlichem Einsatz für diejenigen da sein, die in nicht-sakramentalen Beziehungen leben. Wir erinnern daran, dass die Geschiedenen oder diejenigen, die in Trennung leben, sind nicht aus der Kirche ausgeschlossen sind, sondern dass sie weiterhin ihre Mitglieder bleiben und man ihnen dabei helfen muss, dass sie den Glauben und die Verbindung mit der kirchlichen Gemeinschaft behalten, dass sie an der Sonntagsmesse und am Leben der Pfarreien teilnehmen (Hl. Johannes Paul II., Familiaris consortio, 84). Gleichzeitig ermuntern wir diejenigen, bei denen es keine Hindernisse für die Eheschließung gibt, dass sie sich der Liebe Gottes öffnen und die Herausforderung, eine Familie auf dem soliden Fundament der Gnade Christi zu bauen, annehmen.

4. Wir sind mit seelsorgerlicher Nähe bei den Ehen, die seit Jahren auf ein Kind warten. Gleichzeitig erinnern wir daran, dass die künstliche Befruchtung keine richtige Weise für die Lösung des Problems der Unfruchtbarkeit ist und dass die Katholiken diese Methode nicht anwenden dürfen (Papst Franziskus, Audienz für die Gesellschaft der Katholischen Ärzte Italiens, 15.11.2014). Wir verbinden uns im Schmerz mit den Familien, die das Drama der Fehlgeburt erleben oder deren Kinder tot geboren wurden. Wir erinnern daran, dass jedes dieser Kinder das Recht zur vollen katholischen Beerdigung besitzt.

5. Wir wünschen, dass während der Synode deutlicher gegenüber solchen Eheleuten die Dankbarkeit artikuliert wird, die sich umsichtig und großzügig (Glaudium et spes, 50) für eine größere Anzahl von Kindern entschieden haben, als sie ihnen das Leben schenkten und nun den Unterhalt geben und sich darum kümmern, sie in die Welt des Glaubens und der Kultur einzuführen (Päpstlicher Rat für die Familie, Familie und menschliche Fortpflanzung, 18-19). Wir richten unseren dankbaren Blick auch auf die Eheleute, die Kinder adoptieren und auf diejenigen, die Kinderdörfer einrichten.

Wir denken, dass die Synode bei der Änderung der gesellschaftlichen Haltung gegenüber kinderreichen Familien helfen kann, worauf Papst Franziskus während des Treffens mit einigen Tausend kinderreichen Familien hingewiesen hat, als er mit tiefstem Respekt und Dankbarkeit über ihren unersetzbaren Beitrag für die Zukunft der Kirche und der Welt sprach und daran appelliert hat, dass in gesellschaftlichen Strukturen eine richtige Hilfe für sie garantiert werden solle. (Papst Franziskus, Die Präsenz der kinderreichen Familien ist eine Hoffnung für unsere Gesellschaft, Audienz, 28.12.2014; vgl. ebenda, Familie – Kinder, Mittwochsaudienz, 8.04.2015).

6. Die Sorge um die ärmste Familie, um die Familie mit behinderten Personen und um ältere Ehen sollte ein integraler Bestandteil der Familien-Seelsorge sein. Man muss besonders die junge Generation sensibilisieren für die Personen und Familien in verschiedenen Nöten. Man muss mit seelsorgerlichem Blick die Familien, welche eine Trennung verbunden mit  Wirtschafts-Migration erleben, sehen. Gleichzeitig erinnern wir an die Notwendigkeit eines angemessenen Lohns für die Arbeit: „Ferner müssen Gesellschaft und Staat für ein angemessenes Lohnniveau sorgen, das dem Arbeiter und seiner Familie den Unterhalt sichert und die Möglichkeit zum Sparen erlaubt“ (Hl. Johannes Paul II., Centesimus annus, 15).

7. Es wächst die Anzahl der Personen, die allein leben. Es gibt darunter diejenigen, die aus verschiedenen Gründen die Ehe nicht schließen können und diejenigen, die bewusst einen Weg der Einsamkeit in der Welt wählen, um auf verschiedene Weise den anderen zu dienen. Es gibt auch diejenigen, die – der Konsummentalität folgend – aus Bequemlichkeit allein bleiben. Alle diese Personen müssen mit seelsorgerlichen Blick gesehen werden, um sie in das Leben der Kirche und den Dienst für Familien, die Unterstützung brauchen, einzuschließen (Hl. Johannes Paul II., Familiaris consortio, 85).

8. Wir beobachten, dass einerseits ca. 90 Prozent der polnischen Jugend in der Ehe und Familie den Weg zum Glück im Erwachsenenleben sieht. Andererseits wächst immer mehr die Anzahl der Menschen, die in einem Konkubinat leben. Nicht selten zeigt sich auch die Angst vor Verantwortung und davor, sich selbst in endgültiger Weise hinzugeben. Deswegen ist es nötig, die Institution der Verlobungszeit aufzuwerten und die direkte Zeit der Vorbereitung auf das Sakrament der Ehe zu verlängern. Wir danken den Eheleuten, die anderen Ehepaaren dienen und ein Zeugnis davon geben, dass eine schöne und treue eheliche Liebe gelebt werden kann.

9. Im Zusammenhang mit der Diskussion über die heilige Kommunion für die Geschiedenen, die in einer neuen zivilen Beziehung leben, sind wir Papst Franziskus dankbar, der daran erinnert, dass “die Eucharistie aber kein privates Gebet oder eine schöne spirituelle Erfahrung ist (…). Sich von jenem »Brot des Lebens« zu nähren bedeutet in Harmonie mit dem Herzen Christi einzutreten, seine Entscheidungen, seine Gedanken, sein Verhalten anzunehmen“ (Angelus, 16.08. 2015). Um ein solches eucharistisches Leben zu führen, ist es nötig, den Kult der Eucharistie zu vertiefen (Benedikt XVI., Sacramentum caritatis, 66). Die Lehre der katholischen Kirche, die feststellt, dass um die heilige Kommunion zu empfangen, man sich in der heiligmachenden Gnade befinden muss, bleibt unveränderlich (vgl. 1 Kor 11,26-29; 1 Kor 6,9-10; Codex des Kanonischen Rechtes, Can. 916).

Die Familie ist das Werk und der Besitz Gottes. Deshalb bereiten wir uns auf die kommende Synode mit Glaube, Hoffnung und Liebe vor.

Warschau, 21. September 2015

Übersetzung aus dem Polnischen: Anna und Stefan Meetschen

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